Sonntag, 27. April 2014

Auf Messers Schneide

Ungewöhnlicher Titel für einen ungewöhnlichen Blog-Event bei Peter G. Spandl auf www.aus-meinem-kochtopf.de

Kein Rezept / Foto für ein bestimmtes Thema wurde gewünscht, sondern Geschichten, Infos, Fakten rund um Messer ... die eigenen versteht sich :-)


Ich habe mir, um ehrlich zu sein, über Messer noch nie großartig einen Kopf gemacht ...

Habe einen ganz gewöhnlichen Messerblock ... oder auch zwei ... und irgendwann mal so ein "japanisches Messerset" geschenkt bekommen ... meist nutze ich die.

Seit ich jetzt zwei Wochen mit Köchen zusammen gearbeitet habe, sehe ich dieses Thema mit ganz anderen Augen ...

Messer hierfür ... Messer dafür ...

Und ich durfte wieder feststellen, wie GENIAL es ist, wenn die Messer auch noch richtig scharf sind ...

Wusste ich vorher schon - nur war das damals alles andere als genial :-)

(Notiz an mich: Messer schleifen aber Aufpassen!)

Das war's auch schon zum Thema Messer :-) Nicht wirklich spektakulär ...

Aber ich habe noch eine kleine "messerscharfe" Geschichte - vielleicht werden es auch zwei ... mal sehen ...

Ich habe eine Zeit lang an der Ostsee gewohnt ... in Damp 2000 ...

Wochenende und eine Party am Samstag-Abend stand vor der Tür.

Jeder wollte & sollte was mitbringen.

Ich hatte mich für Gulaschsuppe und selbst gebackenes Brot entschieden.

Mit dem größten und leider auch einzigen Küchenmesser, welches mir zur Verfügung stand (Umzugskarton mit Küchen-Gedöns war noch nicht komplett ausgepackt) ging ich bester Laune an's Werk.

Erstmal gefühlte vier Kilo Zwiebeln geschält und klein geschnitten.

Die Tränen liefen genauso schnell und intensiv wie die Titel im Schnulzen-Sender ... aber wer sucht schon mit "Zwiebelfingern" nach besserer Musik???

Hätte ich mal bloß ... das war wohl das 1. Glied in der Kette der unglücklichen Umstände :-)

Dann hieß es Fleisch schneiden ... VIEL Fleisch für viele hungrige Leute :-)

Überall lagen mittlerweile Taschentücher rum ... ich schon fast komplett blind ...

Und dann KLINGELT ES AN DER TÜR!!!!!!!!!!!!

Was macht man ?? Die Tür auf, oder ... ganz normal ... fataler Fehler und wohl das 2. Glied ...

Da standen wir uns nun gegenüber ...

Ich - das rot gefärbte große Fleischermesser in der Hand, die Hände sicherlich auch nicht wirklich sauber ... mit ABSOLUT tränen-verquollenen Augen und Rotznase bis mindestens in den Schwarzwald ...

Und zwei Damen in ganz komischen wallenden Gewändern, ganz komische Heftchen vor sich haltend.

Eine der beiden wollte wohl gerade etwas einstudiertes sagen ... und verschluckte sich.

Ich schau' die beiden an, sehe die wie ein Schutzschild vor sich gehaltenen Heftchen - im Hintergrund dudelt herzschmerzgepeinigte Musik und ich sage nur:

"Ist grad' ganz schlecht ..." 

Und mach' die Tür wieder zu. (Normal ... wer lässt schon seine Haustür offen) ...

Ich denke noch so bei mir: "Du warst jetzt aber unhöflich. Hast dich weder verabschiedet, noch den beiden netten älteren Damen einen schönen Tag gewünscht! Ist ja so gar nicht deine Art!"

Dann putz' ich mir zum 1000x die Nase, wasch' mir die Hände und schneide weiter mehr oder wenig fröhlich das Fleisch für die Gulaschsuppe ... oke, ich gebe es zu ... eher mehr fröhlich ob der verdutzten Gesichter.

Grobes Foul. Undamenhaft würde ich formulieren: "Klarer Fall von Arschkarte gezogen"

Das war nämlich sicherlich ein weiteres Glied in dieser Unglücks-Kette ...

5 Minuten später höre ich Polizeisirenen ...

Ich denke noch so bei mir: "Meine Güte ... hier auf dem Kaff ist aber auch immer was los".

Ein paar Tage vorher musste ich nachts selbst die Polizei rufen, weil ein betrunkener Halbstarker mir fast die Wohnungstür eingetreten hat, weil er der festen Überzeugung war, er würde bei mir wohnen und ich hätte seine Wohnung besetzt.

Die Sirene wurde immer lauter ... und - gefährlich nahe - schlagartig ruhig.

Ich hab' zum guten Glück gleich geschaltet und den nächsten zwei "Uniformierten" die Tür OHNE das große Messer geöffnet.

Das wäre wohl das letzte Glied in dieser unglücklichen KETTE gewesen ... und sicherlich sehr unangenehm geworden ...

Auf Messers Schneide eben ...

Geschnitten habe ich mich auch schon ... klar ... hat jeder ... schon öfters ...

Aber das EINE MAL ... ich sag' euch ...

Noch nie hab' ich in so kurzer Zeit soviel Blut gesehen ... und dann auch noch mein Eigenes auf dem frisch geputzten Küchenboden ...

Mein damaliger Freund hatte wohl kurz bevor ich anfing das Abendessen vorzubereiten Langeweile und hat sein/mein Lieblingsmesser geschliffen ...

Da war ich (wie bis vor Kurzem immer noch) auf dem "ich nehme für alles nur EIN Messer-Trip" ...

Blumenkohl geputzt & geschnitten ... Kartoffeln, Schinken, Zwiebeln, Knoblauch, Karotten ...

Alles mit demselben Messer ... mit einem riesen frisch geschärften Messer ... ich hab' glaub' ein Faible für große Messer :-)

Fleisch im Ofen, alles soweit schon vorbereitet ... Thema Mehlschwitze galt es noch zu bewältigen.

Hol' mir die "Pflanzenmargarine" aus dem Kühlschrank (Butter war alle).

Halte also das "Päckchen" in der linken Hand und will mir ein "Bisserl" mit der Messerspitze (mit der GROSSEN!!) herausschneiden ...

"Fahr'" mit dem Messer da hinein ... und das gleitet sprichwörtlich wie durch Butter ... durch die Margarine, durch die Plastikverpackung und unglücklicherweise auch weiter ...

Und dann sah ich rot :-) schnell und viel ...

Tatort Küche - zwischen Daumen und Zeigefinger an einer völlig unglücklichen und empfindlichen Stelle ...

Hab' noch den Ofen und den Herd ausgestellt (der gute Braten!!) und meinem Freund in's Wohnzimmer zugerufen: "Ich brauche einen Druckverband und wir müssen in's Krankenhaus!"

(Geistesgegenwärtig noch hinzugefügt "Ich meine es ERNST!")

Mir eine Wasserflasche geschnappt und mich auf den Boden gesetzt.

In dem Moment klingelt es an der Haustür - die lag' direkt auf dem Weg zur Küche und wurde im Vorbeirennen von meinem Freund noch geöffnet ... (nein, nicht Gulasch die II. - keine Polizei ... aber die Feuerwehr ... zumindest einer von ihnen ... unser Kumpel Billy ...)

Und dann ging's los ...

Fachmännischer Druckverband ... ständiges Einreden auf mich (ob mir schlecht ist, ob ich Sternchen sehe, ob ich was brauche ..........!!!!)

Von Minute zu Minute wurde ich ruhiger, die beiden Männer komischerweise immer hektischer und Billy immer lauter ... und er wiederholte sich irgendwie ständig ... ob mir schlecht ist, ob mir schwindlig wird oder schwarz vor Augen ... immer und immer wieder ... und immer öfter ...

War doch alles ok, ich hab' mich ja nur geschnitten ... Druckverband sass ... alles gut ... nur die Küche sah aus wie Hulle!

... warum schreit der Idiot mich so an und wiederholt sich dauernd ...

Keine Ahnung wie .... ich sass irgendwann einfach im Auto und einige wenige Minuten später in der Notaufnahme auf einer Liege - war nur ein Katzensprung - hat sich aber angefühlt wie zwei Stunden ...

Und mir war schlecht ... SOWAS von schlecht ... und schwindelig ... und dann wurde mir schwarz vor Augen ...

Jetzt hab' ich halt ein paar Stiche am Daumen und schneide immer noch am Liebsten mit den großen Messern ... nur bei Butter und Margarine ... da bin ich vorsichtig geworden :-)

1 Kommentar:

  1. Danke Melanie für Deinen blutigen Beitrag.

    Das hier hat mir am besten gefallen:
    >> wer sucht schon mit "Zwiebelfingern" nach besserer Musik? <<

    Wünsche Dir Glück bei der Verlosung!

    Mit leckerem Gruß, Peter

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