Montag, 21. Mai 2012

Ein Alien in Frankreich

 ... wäre ich ja soooo gerne wieder ...


Naja, bald ... zumindest für ein paar Tage :-) es geht nach LA TRANCHE SUR MER

Unserem Partnerschafts-Verein "sei Dank" ;-) ... aber ich schweife ab ...

Vor einigen Tagen kam wieder ein vielversprechendes Buch in's Haus geflattert.

Titel: "Ein Alien in Frankreich - Von einer, die auszog, Französin zu werden"

Erschienen im: Dresdner Buchverlag, März 2012

ISBN: 978-3-941757-17-2 

Autor/in: Franca Pott

Beschreibung: A5, gebunden, 272 Seiten


Inhaltsangabe: 

Im Laufe der Jahre, die die Autorin Franca Pott inzwischen schon in Frankreich lebt, hat sie so viel Schönes, Amüsantes und Spannendes erlebt, mit dem sie all diejenigen, die sich ebenfalls mit dem Gedanken tragen, in Frankreich leben zu wollen, ein bisschen neugierig machen möchte.

Ihr Buch soll amüsant informieren und zum Abbau von Missverständnissen beitragen. So stellt es einen Versuch dar, den Leser auf eine unterhaltsame Art und Weise mit den typischen Phänomenen und Gepflogenheiten in Frankreich bekannt zu machen. 

Mit einem Blick für Alltagsskurrilitäten, mit viel Humor und Liebe für dieses Land möchte sie den Leser mit einem Augenzwinkern zum Schmunzeln verführen und ihn an ihrer Zuneigung zu diesem „besonderen“ Völkchen teilhaben lassen.  (Quelle)

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Schon beim Anblick des Buch-Covers fühlte ich mich wie "Zuhause" :-)

Ein "typischer" Franzose - genauso wie ihn die Meisten von uns wahrscheinlich vor ihrem geistigen Auge sehen:

Blau-weißer Ringelpulli, legere Hose, Baskenmütze, Spitzbärtchen.

Ein gutes Glas Rotwein in der Hand und unter dem Arm klemmt locker das zweite Lebenselixier ... das Baguette. (Irgendwo hat der sicherlich auch noch die Blauen Glimmstengel eingesteckt!!).

"Genauso kenne ich das ... er kann nur Jean-Charles, Michel oder Pascal heissen ... geht gar nicht anders ..." dachte ich bei mir.

Im Hintergrund - der Eifelturm ... um den dann auch noch zu erwähnen ;-)

"Alors" ... was kann ich über dieses Buch erzählen ... es deckt sich in allen mir bekannten und selbst erlebten Situationen, Vorurteilen, Begebenheiten, Gefühlen, Meinungen, Ansichten ...

Liebgewonnene Erinnerungen an mein Jahr in Strasbourg wurden beim Lesen wieder so real, als sei es erst gestern gewesen, und nicht schon über 10 Jahre her.

Situationen, Begebenheiten, Menschen, die ich nie mehr vergessen werde, durfte ich ihn etwas veränderter Form lesen & miterleben.

Franca Pott schreibt in diesem Buch mit viel Witz & Charme über die "kleinen Abgründe" im Leben der Franzosen. Über ihr oft kauziges, eigenwilliges Verhalten - wenn es um Behörden, den Staat im Allgemeinen, vor allem aber das Essen geht. 

Natürlich über den allseits bekannten typischen französischen Fahrstil, über Männlein & Weiblein und wie kann es anders sein ... über den Streik.

Sie lässt uns teilhaben am "comme ci, comme ca!" ... am "ca va!" am „Laissez-faire“ ...

Ich sehe sie vor mir - die Franzosen - bedächtig mit dem Kopf wackeln, wild mit den Händen gestikulieren und am imaginären Bart zupfen ...

Francas grösste Barriere war - meine übrigens auch - wie soll es auch anders sein - die Sprache.

Wahrscheinlich hatte sie genausoviele/genausowenige Wörte/Sätze in ihrem Sprachfundus, wie ich damals ... nämlich Null.

Seien wir doch mal ehrlich - "Bitte, danke, wie geht es Ihnen, heute ist schönes Wetter ..." zählt doch nicht wirklich. Also ZÉRO!

Ich habe, nachdem ich endlich für mich erkannte, dass ICH damals der "Alien" war und nicht all die anderen, die sich rigoros weigerten mit mir Deutsch oder Englisch zu sprechen, einfach angefangen Französisch zu lernen.

Tageszeitung in einer Bar lesen, Einkaufsprospekte durchblättern, Sprachkurs-Kassetten rauf und runter dudeln ... den bis heute nicht verstandenen "Bescherelle" habe ich mir reingezogen ...

Durch die Straßen schlendern und soviel Sätze im Alltag aufschnappen wie es nur geht - und vor allem, mit eingezogenem Kopf ... so unauffällig wie möglich :-)  

Heute würde ich es in typisch französischer Manier mit einem Schulterzucken tun.

Voller Stolz, meinen ersten richtigen französischen Satz sprechen zu können, (ich wollte ein paar Briefmarken kaufen) bin ich hocherhobenen Hauptes zur Post um die Ecke.

Es endete fast in einem Desaster - der Jüngling am Schalter schaute mich an, als käme ich vom Mond.

Glücklicherweise war sein Kollege ein sehr charmanter älterer Herr, der mir dann in diesem herrlichen Elsässer-Deutsch zu meinen Briefmarken verhalf.

Franca wollte 100 Gramm Schinken kaufen -"Dschee wudree äng song gramm schambong" und ging damit genauso "baden" wie ich.

Ich könnte noch stundenlang von diesem Buch erzählen, aber ihr müsst es selbst lesen!

Ihre "Geschichte" ist einfach nur toll.

Ohne großartige Rücklagen, ohne Job, ohne die Sprache zu können in ein fremdes Land - und dann auch noch gerade nach Frankreich! Respekt. Ähm .. "Chapeau!" meine ich natürlich!

Es ist ein herrlich leicht zu lesendes Buch, gespickt mit einigen Französischen Begriffen, Ausdrücken ... vor allem aber mit allerhand nützlichen Infos, was das "Auswandern" und Behördengänge (besser den Umgang mit den Behörden oder soll ich lieber sagen "das Umgehen" von Behörden) anbelangt.

Ach so ... bevor ich es vergesse: einige leckere Rezepte sind im Buch zu finden, das ein oder andere werde ich sicherlich nachkochen.

Folgende Texte sind mir besonders in Erinnerung geblieben: (Quelle) 

" ... ohne die Franzosen wäre Frankreich nicht das, was es ist. Ohne ihre chaotische, streckenweise unorganisierte Art und Weise, ohne ihre Respektlosigkeit gegenüber dem Gesetz, ohne ihre Nonchalance, das Leben zu meistern, ohne ihre ihnen eigene Lebensart wäre Frankreich nicht Frankreich."

"Wann haben die Franzosen ihre Revolution gemacht? Richtig! Am 14. Juli 1789.
Im Juli - Sommer, Sonne, warm, lange Nächte in denen man auf den Straßen und Marktplätzen tanzen, singen und tagelang durchfeiern konnte."

"Und nun schauen wir uns die Deutschen an. Wann haben die ihre Revolution gemacht? November 1848. Die berühmte Novemberrevolution! November - wo alles grau ist, Niesel, Nebel, kalt. Da jagt man doch keinen Hund vor die Tür."

"Verschreibt man sich auf einem Scheck, etwa die Schecksumme - ja und? Was macht das schon? Dann streiche ich eben die Zahlen durch und schreibe die richtige Summe darüber. C`est pas grave! In Deutschland ein unglaublich schwerer Fehler, fast schon ein Vergehen". 

Fazit:

Ich liebe dieses Buch! Mit sehr viel Charme & Witz rief mir die Autorin meine "heißgeliebten Franzosen" wieder in Erinnerung. Mercie bien! 

P.S. nehmt euch vor den Türgriffen Frankreichs in Acht!

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